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Jazz-Legenden verwandelten Alte Oper Erfurt in ein Haus der guten Laune

Chris Barber beherrscht mit seinen 82 Jahren noch immer das komplette Jazz-Repertoire.
Foto: Marco Kneise
"Hier ist wohl kaum jemand unter 50", stellte ein Herr
aus der großen Besucherschar am Sonntagnachmittag in der Alten Oper
fest. Und diejenigen, die auf der Bühne Musik ganz nach dem Geschmack
der heftig applaudierenden und swingenden Leute machten, waren sogar
über 80 und echte britische Jazz-Legenden.
Erfurt. Chris Barber, Mr. Acker Bilk und Kenny Ball
sind auf Abschiedstour. Dass man sie und ihre exzellenten Bands nie
wieder so erleben wird, war der bittere Wermutstropfen, der sich in das
über dreistündige Konzert mischte. Sonst aber stieg die Stimmung von
Titel zu Titel.
Und es bewahrheitete sich Mr. Acker
Bilks Lieblingswort unvorstellbar! Er selbst, Jahrgang 1929, war der
Älteste im Jazz-Bunde und erschien standardgemäß mit Melone,
Ziegenbärtchen und gestreifter Weste, aber eben im Rollstuhl sitzend. Wie
viele Tonträger das Jazz-Terzett rund um den Globus verkauft hat, kann
man kaum zählen. In der Alten Oper kamen jedenfalls noch einige hinzu.
Für alle drei Herren gilt: Jazz hält jung, der musikantische Geist ist
ungebrochen willig und das Fleisch muss mit. In virtuosem Trab spielten
und sangen mit ihren unverwechselbar rauchigen Stimmen Chris Barber, Mr. Acker Bilk und Kenny Ball,
was sie berühmt machte. Ein Hit folgte dem anderen. Allein schon deren
Ansage entlockte den begeisterten Besuchern langgezogene Ahs und Ohs.
Unter den Titeln, die zum Träumen von glücklicher Jugendzeit einluden,
war natürlich auch Mr. Acker Bilks erster Riesenerfolg "Summer Set". Mit "Midnight in Moscow" und dem Musicalsong "March of the Siamese Children" wartete Kenny Ball auf, dessen erster Bestseller 1959 seltsamerweise "Waterloo" hieß.
Von da an ging's bergauf, auch für Chris Barber,
der als Pionier des Revival-Jazz gilt. Er entlockte seiner Posaune eine
enorme Palette an Klangfarben, unter anderem für das sanfte "Petite
Fleur" und den feurigen "Wild Cat Blues". Das bekannte Sprüchlein
"Nichts ist so alt wie der Erfolg von gestern" braucht die drei
legendären Jazzer also nicht zu kümmern, denn sie haben ganz aktuell
Erfolg.
Umgeben waren die drei Zugpferde des traditionellen Jazz und Blues
von hervorragenden, ebenbürtigen Musikern, welche in wechselnden
Formationen erkennen ließen, dass sie die Energie und Begeisterung für
Swing, Dixieland und Chicago-Jazz mit ihren Vorbildern teilen, genau wie
diese im Blut haben. Und selbst Bachs Toccata d-Moll wurde von einem
göttlichen Jazz-Funken entzündet. Wer beim Hören dieses Leckerbissens an
die Interpretation des berühmten Jacques Loussier-Trios dachte, lag
genau richtig.
The Big Chris Barber Band, Mr. Acker Bilk and his Paramount Jazzband sowie Kenny Ball
and his Jazzmen machten die Alte Oper entsprechend dem "Sunshine Blues"
zu einem Haus der guten Laune. Aber dieses Fest des Jazz bedeutete
nicht nur pures Happening, denn als Chris Barber
mit seiner rauen Stimme den Gospelsong "Take my hand, precious Lord"
sang, da fühlte sich die letzte Zeile "lead me home" (führe mich heim)
augenblicklich so nah an. Schönste Evergreens
sowie die souveräne Art des gemeinsamen Musizierens und Improvisierens
garantierten Vergnügen auf höchstem Niveau.
Das Konzert war nicht nur -
wie Chris Barber wünschte - ein schöner Nachmittag, sondern es war ein rundum köstlich Ding. In aphoristischer Manier könnte man mit Jeanne Moreau anmerken: "Alternde Menschen sind wie Museen: Nicht auf die Fassade kommt es an, sondern auf die Schätze im Innern."
Ulrike Mielke / 06.11.12 / TA
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Von Echo-Online über das Konzert in Bensheim
12. November 2012 | cf
Fliegende Wechsel in Perfektion
Konzert – Chris Barber und Band begeistern im Bensheimer Parktheater – Gelöste Stimmung
BENSHEIM.
Bereits in den fünfziger Jahren gehörten Barber und seine Band mit
ihrem eigenständigen Sound englischer Prägung zu den bekannten
Dixielandgruppen in Europa. Regelmäßig stürmten die Musiker die
Hitparaden und landeten Millionenseller. Barber gilt als einer der
Initiatoren und inspirierender Geist in der europäischen Jazz-, Rock-
und Pop-Szene. Er ist mit seinen 82 Jahren eine Ikone des traditionellen
Jazz aus England.
In seiner aktuellen Bandbesetzung sind weitere
neun erstklassige Musiker engagiert, die alle mit solistischen
Qualitäten bestechen. An vielen Stellen wurden ihre Soli in Bensheim mit
besonderem Applaus bedacht. Dass diese Band beliebt ist, verdeutlichte
schon die große Nachfrage beim Kartenverkauf. Etwa hundert Personen
standen auf der Warteliste, und auch im Foyer des Parktheaters wurde man
gefragt, ob man zufällig Karten zu verkaufen habe.
Wer das Glück
hatte, eine der begehrten Karten zu bekommen, erhielt im Gegenzug ein
Programm vom Allerfeinsten. Bensheim stand für die Musiker am Ende der
Tournee, und den Musikern merkte man diese gelöste Stimmung durchaus an.
In gutem Deutsch stellte Barber zwischendurch immer wieder die
folgenden Stücke und Musiker dazu vor.
Zum Repertoire der Gruppe
zählen Titel „Bourbon Street Parade“, und „Black And Tan Fantasy”. Aus
dem Blues hatte er „Goin‘ Home” für sein Publikum mitgebracht. Die
Musiker um Chris Barber boten ihrem überaus begeisterten Publikum mit
jedem Stück eine bestechende Kostprobe ihres Könnens. Viele der Künstler
erlebten die Zuhörer an mehreren Instrumenten, die sie gekonnt im
Wechsel einsetzten. Gerade noch am Saxofon und wenige Sekunden später
die Klarinette spielend, spiegelte diese Vielseitigkeit die
Professionalität und Perfektion der Band. Das Publikum liebte solche
Übergänge und honorierte sie mit einem Sonderapplaus.
Auch Chris
Barber tauschte im fliegenden Wechsel die Posaune mit dem Kontrabass
eines Kollegen. Zwischendurch griff er immer wieder zum Mikrofon.
Während des Konzerts mischte die Band geschickt alte und neue Titel und
schaffte so eine gelungene Kombination aus Temperament und Charme mit
klassischen Jazz- und Bluestiteln.
Zu Beginn des zweiten Teils
begleitete das Publikum die Gruppe erneut mit viel Applaus auf die
Bühne. Die zweite Hälfte ließ Barber zunächst schwungvoll beginnen. Im
Repertoire wechselten die flotten Rhythmen mit langsameren Stücken. Das
Programm war für den Geschmack des Publikums viel zu schnell zu Ende.
Für
eine Zugabe ließ sich die Band aber gerne noch einmal herausbitten.
Ohne den vom Publikum eingeforderten Klassiker „Ice Cream“ wäre die Band
wahrscheinlich auch nicht von der Bühne gekommen.
Der Aufforderung
Chris Barbers, das Lied gemeinsam zu singen, kamen die Gäste im
Bensheimer Parktheater natürlich nur zu gerne nach.
Das Publikum
erlebte die zehn Bandmitglieder an diesem Abend nicht nur als Gruppe von
außergewöhnlicher Musikalität und verblüffendem Improvisationsreichtum,
sondern ebenso als Entertainer mit dem sprichwörtlichen
britisch-distanzierten Humor.