Lost Places.
Das großflächige Fabrikgelände mit den alten Hallen
deckt einen Bereich zwischen Segelfliegerdamm und Groß-Berliner Damm
ab und wurde über die Jahre von verschiedenen Fabriken genutzt. Wegen seiner Lage in der Nähe des Flughafens Johannisthal war er u.a. Standort von Flugzeugfabriken bzw. Zulieferern, die alle einen Bezug zur Fliegerei hatten.
Ich habe hier einige Infos aus dem Berlin-Brandenburgischen Geschichtsarchiv übernommen:
Von 1922-1945 Standort des Ambi-Budd Preßwerks / Ambi Waggon- und Apparatebau, wobei die Abkürzungen stehen für:
- AMBI (Arthur Müller Bauten- und Industriewerke),
- Budd (Edward G. Budd Manufactoring Co.).
Firmengründer
war der jüdischen Luftfahrtpionier Arthur Müller. Der Versailler
Vertrag verbot den Bau von Militärflugzeugen. Die ersten zivilen
Flugdienste starteten noch von Johannisthal, ab 1924 von Tempelhof.
Arthur Müller wandte sich neuen Geschäftsfeldern zu und gründete in den
von der AEG erworbenen Flugzeughallen eine Waggon- und Apparatebau AG.
Durch Arisierung in der NS-Zeit wurde Müller aus dem Geschäft gedrängt.


- Vormals Standort der Rumpler-Werke (Rumpler-Luftfahrzeugbau GmbH).
Zu den Rumpler-Werken gibt es nicht allzu viele Informationen:
Die Berliner Rumpler-Werke gingen
1914 aus der Rumpler-Luftfahrzeugbau GmbH hervor und produzierten unter
der Führung von Edmund Rumpler bis zum Ende des Ersten Weltkrieges verschiedene Flugzeugtypen für den Kampfeinsatz. (Info aus dem BB Archiv)
Wikiwand weiss dazu: "Die Rumpler-Werke
fertigten bis zum Ende des Ersten Weltkrieges verschiedene Flugzeugtypen
für militärische Zwecke. Dazu zählten sowohl Aufklärungsflugzeuge und
Kampfflugzeuge als auch Jagdflugzeuge und Langstreckenbomber."
Hier wurden Flugzeuge wie z. B. die Rumpler-Etrich-Taube gebaut. Eine Rumpler-Taube gbt es noch im Deutschen Museum München zu sehen.
Die Gebäude der Rumpler-Werke sind heute nicht mehr existent und befanden sich in der Nähe der heutigen neu angelegten Gerhard-Sedlmayr-Straße / Ecke Groß-Berliner Damm.
Zu
DDR-Zeiten befand sich auf dem Gelände der VEB Kühlautomat Berlin und Motorenwerk - ein am 5. April 1950 gegründeter Volkseigener Betrieb, der neben Kühlanlagen für Industrie und
Fischfangschiffe auch Kühlschränke für den Privatgebrauch hergestellte.
Nach der Wende hiess der Betrieb bis ca.1994 „Kühlautomat Berlin
GmbH" (KAB). 1994 kaufte Grasso, eine Tochter des GEA-Konzerns, das
Unternehmen auf. 1996 verließen die letzten Mitarbeiter das
Werksgelände, das etwa 18 Hektar umfasst. Der Besitz ging an die
Nachfahren der früheren jüdischen Besitzer zurück. Dann waren die Gebäude dem Verfall ausgesetzt und wurden zum
Eldorado für Sprayer und Vandalen. Mehrere Brände zerstörten Teile der Gebäude, erst kürzlich Ende Mai kam
es zu einem Großbrand, dessen Rauchsäule weithin über der Stadt sichtbar
waren.
Einige Bereiche und kleinere Hallen werden heute von Kleingewerbe genutzt; der größte Teil steht allerdings leer und rotten vor sich hin..
Offensichtlich gibt es aber seitens des Bezirks Köpenick neue Pläne
zur Nutzung des Areals, es soll einen Entwurf für ein neues
Stadtquartier geben - bin gespannt, ob dies zur Durchführung kommt.
Hier eine Pressemitteilung mit Einzelheiten dazu.


Ich habe dann doch noch einen Durchschlupf im Zaun zum Betriebsgelände gefunden und einige der halbverfallenen Hallen von innen fotografiert. Die Wege und Böden innerhalb der Gebäude sind allerdings mit äußerster Vorsicht zu betreten. Mauerreste, unendlich viele Glasscherben, Löcher im Boden und instabile Bodenbretter machen das Begehen abenteuerlich und nicht ganz ungefährlich. Stolpergefahr überall, also heisst es, nur bei Tageslicht betreten und die Augen stets offenhalten (auch weil das Betreten eigentlich verboten ist). Festes Schuhwerk ist zu empfehlen, aber es ist der Mühe wert, ehe hier alles abgerissen wird und wieder ein Stück Geschichte verloren geht.